Die Brücke zwischen Opportunität und Kapital schlagen
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«Das Phasenmodell des SIA spaltet Planung und Ausführung, was den Wissenstransfer behindert und Innovation erschwert.»
Oft werden die hohen Kosten bei Bauprojekten der öffentlichen Hand mit ihrer besonderen Verantwortung als Bestellerin erklärt. Erstens wird ihr in Bezug auf Architektur und Qualität sowie innovatives, nachhaltiges und kreislauffähiges Bauen eine baukulturelle Vorbildrolle zugeschrieben. Zweitens hat der Staat transparente, vergaberechtlich unantastbare Beschaffungsverfahren zu gewährleisten. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die öffentliche Hand lässt nach wie vor linear und intransparent in den strikt voneinander getrennten Phasen Planung und Ausführung umsetzen. Sie bestellt sequenziell bis in die Ausführung hinein, statt integrierte Verfahren und Wettbewerbe anzuwenden und dabei auf der Basis eines durchgängigen Informationsmanagements viel Geld, CO₂ und Material zu sparen.
Ein wesentlicher Grund, weshalb öffentliches Bauen so teuer ist, liegt im tradierten Bestellprozess. Wird ein öffentliches Projekt initiiert, wird meist sofort ein isolierter Architekturwettbewerb gefordert. In diesem Verfahren erarbeiten Architekten (fast) kostenlos aufwendige Projektvorschläge. Die zugrundeliegenden Wettbewerbsprogramme sind in Bezug auf die Bestellung sehr generisch und mit einem breiten Interpretationsspielraum ausgestattet.
Im Planungs- und Genehmigungsverfahren, teilweise aber auch noch in der Bauausführung, erheben Jurymitglieder, Behörden, Politiker, Verbände und Interessensgemeinschaften ständig zusätzliche Anforderungen. Dabei handelt es sich um einen verborgenen, intransparenten Bestellprozess. Um Kostenüberschreitungen im politischen Prozess zu vermeiden, werden Budgets zu Beginn systematisch zu hoch angesetzt (und dann auch ausgeschöpft).
Der vermeintlich alternativlose öffentliche Vergabeprozess trägt massgeblich zu den hohen Baukosten bei. Bei einem Bauprojekt entfallen rund 25 Prozent der Kosten auf die Planung. Nach einem Wettbewerb gibt es keinen Kostenwettbewerb für die Planungsleistung des siegreichen Teams. Stattdessen orientieren sich die Honorare an dem bereits 2018 von der Wettbewerbskommission (Weko) verbotenen SIA-Honorarmodell, das Fehlanreize bietet: Je höher die Baukosten, desto höher das Honorar. Bei der Ausführung folgt dann ein harter Preiswettbewerb, allerdings für ein überteuertes und übererfülltes Projekt. Aus beschaffungsrechtlicher Sicht erscheint alles im besten Licht; die Absicherung steht im Vordergrund, nicht das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Gleichzeitig können anbietende Unternehmer im Verlauf der Realisierung erfahrungsgemäss von Bestellungsänderungen und Planungsfehlern ausgehen, was ihnen lukrative Nachträge ermöglicht. Meist sind sie damit erfolgreich, denn öffentliche Bauherrschaften wollen ihre mangelnde Projektsteuerung nicht eingestehen und haben Angst vor negativer Berichterstattung in Streitfällen.
Basis dieser Ressourcenverschleuderung der öffentlichen Hand ist das in der Schweizer Bauindustrie und der öffentlichen Wahrnehmung seit über 150 Jahren etablierte und tief verankerte Leistungsmodell des Schweizer Ingenieur- und Architektenvereins (SIA). Dessen Phasenmodell spaltet Planung und Ausführung, was den Wissenstransfer behindert und Innovation erschwert.
Dagegen steht der Design-Build-Ansatz mit der integrierten Zusammenarbeit eines Teams von Planern und Unternehmern ab Projektbeginn. Er zeichnet sich durch Transparenz und Verbindlichkeit in Bezug auf die definierte, funktionale Bestellung und die gemeinsam vereinbarten Ziele von der Vergabe bis zum Projektabschluss aus. Im Gegensatz zum klassischen Architekturwettbewerb entsteht im Design-Build-Wettbewerb eine integrierte Lösung mit verbindlichem Preis für Planung und Erstellung. Die gewünschten Funktionen und «Extras» werden anhand gebauter Referenzen und Systemlösungen klar und transparent ausgeschrieben. Damit wird der Wettbewerb gleichzeitig Vergabeprozess sowie Startpunkt für eine werkvertragliche Umsetzung zu fest fixierten, garantierten Endkosten.
Design Build fördert die Innovationskraft der Branche in Richtung Kreislaufwirtschaft und Produktivität, weil es die Potenziale neuer Technologien und einer integrativen, durchgängigen Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten aktiv nutzt. Hier könnte die öffentliche Hand die eigenen Beschaffungsprozesse vereinfachen und einen echten Beitrag zur Weiterentwicklung der Baukultur leisten.
MARKUS METTLER ist diplomierter Bauingenieur ETH mit Nachdiplomstudium in Betriebswissenschaften. 2006 trat er in die Halter AG als Geschäftsführer der Geschäftseinheit Entwicklungen ein, wurde 2010 deren CEO und 2015 Mitinhaber. Seit 2024 bekleidet er den Posten des Delegierten des Verwaltungsrats der neu geschaffenen Halter Gruppe AG.
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