Leichtgewicht aus Holz, Stahl und Beton

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In Oberentfelden realisierte die Halter AG einen komplexen Schulhausumbau im Gesamtleistermodell. Eine hybride Tragstruktur ermöglichte eine Aufstockung, die leicht ist und nur punktuelle Eingriffe in den Bestand erforderte. Nach nur einem Jahr konnten die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe in ein Gebäude zurückkehren, das Platz für zeitgemässe Unterrichtsformen bietet.

Äusserlich ist dem blauen Schulhaus nicht anzusehen, dass es erst kürzlich aufgestockt wurde.
Text: Daniela Meyer
Fotos: Ralph Bensberg
19. Ausgabe / 2026

Wenn in Oberentfelden vom «blauen Schulhaus» die Rede ist, wissen alle, welches Haus gemeint ist. Es steht mitten auf dem Schulcampus im Ortszentrum, zwischen den Flüssen Suhre und Uerke. Seit 1980 beherbergt es die Schulzimmer der Oberstufe, die Gemeindebibliothek sowie eine Aula. In den letzten Jahren stieg der Schulraumbedarf stetig an, den Kredit für einen Neubau auf dem Areal lehnte die Stimmbevölkerung 2014 aber ab. Provisorische Pavillons sorgten seither dafür, dass alle Klassen untergebracht werden konnten, zeitgemässe Unterrichtsformen erlaubten aber weder die Provisorien noch die vorhandenen Räumlichkeiten.

Das 69 Meter lange und 33 Meter breite blaue Schulhaus war bisher nur zweigeschossig. Die Idee einer Aufstockung kam früh ins Spiel, doch lange konnte kein Planungsteam eine statisch überzeugende Lösung präsentieren, die das vorhandene Tragwerk miteinbezog. Das Ingenieurbüro, das das Schulhaus bereits in den 1970er-Jahren mitgeplant hatte, schlug vor, das Gebäude mittels einer einseitig auskragenden Stahlkonstruktion und einer statischen Lastabtragung ausserhalb der bestehenden Gebäudehülle um zwei Geschosse aufzustocken. Diesen Ansatz wollte die Schule weiterverfolgen, da ein Umbau des Bestands ohnehin notwendig war: Es fehlte ihm nicht nur an Gruppenräumen für den Unterricht, sondern es bedurfte auch technischer Nachrüstung, zum Beispiel hinsichtlich der Erdbebensicherheit.

Auf dem Flachdach des Schulhauses gibt es nach dem Umbau keine Oberlichter mehr, stattdessen wurde eine Photovoltaikanlage installiert.
Vor der Aufstockung prägte Sichtbeton die Stirnfassaden des Schulhauses, das direkt an den Sportplatz angrenzt. Heute ist das Gebäude rundum in gewellten blauen Faserzement gehüllt.

Schnell, kostengünstig und ressourcenschonend

Halter beteiligte sich an der darauffolgenden TU-Submission, hinterfragte aber den Lösungsvorschlag bezüglich des Tragwerks. Zusammen mit der Synaxis AG erarbeitete man eine Alternative, die verschiedene Systeme miteinander vereint: ein Stahlskelettbau, kombiniert mit Holz-Beton-Verbunddecken. Mit dieser Variante konnte Halter die Submission 2023 für sich entscheiden. Sie erwies sich nicht nur als kostengünstiger und ressourcenschonender als die Angebote der Konkurrenz, aufgrund des hohen Vorfabrikationsgrads versprach sie auch eine deutlich kürzere Bauzeit.

Die Lastabtragung der Aufstockung erfolgt über die bestehende Tragstruktur, wobei die Fundamente im Untergeschoss mit Mikropfählen verstärkt wurden. «Das ist möglich, weil die hybride Aufstockung viel leichter ist als der ursprünglich vorgesehene Stahlbau», erläutert der Gesamtprojektleiter Christian Strähl von der Halter AG. Das Primärtragwerk kommt ohne eine zusätzliche Betondecke über dem Bestand aus, da die Kräfte nicht nach aussen an die Fassade geleitet werden müssen. Die Holz-Beton-Verbunddecken sind schlank, sehr leistungsfähig und leichter als die im Vorprojekt vorgesehenen Stahl-Beton-Verbunddecken. Die Unterlagsböden wurden aus Anhydrit erstellt. Diese sind zwar etwas teurer als herkömmliche Zementböden, können aber schlanker und damit weniger schwer ausgeführt werden.

«Im Gegensatz zur Art und Weise, wie das Tragwerk realisiert werden soll, wurde die einseitige Auskragung der aufgestockten Geschosse nie infrage gestellt», sagt Daniel Lischer vom Architekturbüro AS Zwöi. Der Architekt begleitete alle Planungsphasen. Zuerst beriet er die Schule Entfelden, während der Ausführung war er für die Gestaltung und die Qualitätssicherung zuständig. «Die Auskragung um fünf Meter bringt statische wie auch räumliche Vorteile», sagt er. Die Verbreiterung der neuen Geschosse ermöglicht es, den Klassenzimmern die dringend benötigten Gruppenräume vorzulagern. Im zentralen Korridorbereich, der im Bestand sehr grosszügig konzipiert war, wurden WC- und Lüftungsanlagen erstellt. An den Rändern finden sich offene Lernzonen.

Die Tragstruktur prägt auch die Innenräume

«Hinsichtlich der Gestaltung der Innenräume offenbarten die Holz-Beton-Verbunddecken einen weiteren Vorzug: Sie mussten nicht verkleidet werden», so Christian Strähl. Die sichtbaren Balken aus Tannenholz rhythmisieren die Decken der Schulzimmer und der offenen Lernzonen. In den Zwischenräumen sind Akustikpaneele aus recyceltem PET angebracht, die das geometrische Deckenmuster vervollständigen. Auch die neue LED-Beleuchtung ist in die lineare Struktur integriert. Über lange Fensterbänder fällt zudem viel Tageslicht in die Klassenzimmer. Eine Lastabtragung ausserhalb der Fassaden hätte den Nachteil mit sich gebracht, dass die Fensterflächen kleiner ausgefallen wären.

Im Erdgeschoss, das grösstenteils unangetastet blieb, prägen Waschbeton, Zementsteine und Holz das Erscheinungsbild. Sie versprühen den Geist der Entstehungszeit, wobei die roh belassenen Materialien aktuellen Gestaltungskonzepten nahekommen. Die neuen Bodenbeläge, der Kugelgarnteppich, der die Treppenstufen und die Korridore der Obergeschosse überzieht, oder der Vinylbelag in den Klassenzimmern, der eine Holzoptik aufweist, wirken weder historisch noch zeitgenössisch. Im Gegensatz dazu sind die neuen Holz-Beton-Decken modern und funktional. Eine Fortsetzung des ursprünglichen Charakters findet sich wiederum in den beiden Treppenhäusern: Dort wurden die seitlich abgerundeten Betonscheiben, die anstelle des Treppenauges senkrecht durch das Treppenhaus führen, mit dem vorhandenen Schalungsmuster um zwei Geschosse erhöht.

Nach einer nur gerade knapp einjährigen Bauzeit konnte das Gebäude im Juni 2025 der Schule Entfelden übergeben werden. Möglich wurde dies durch die Projektabwicklung im Gesamtleistermodell. «Trotz vielen Vorteilen kommt es im öffentlichen Vergabewesen noch selten zum Einsatz», erklärt Christian Strähl. «In Oberentfelden erwies sich aber nicht nur das hybride Tragwerk als Gewinn, auch die Umsetzung nach Design-Build konnte ihre Vorzüge unter Beweis stellen.» In enger Zusammenarbeit mit den externen Fachplanenden führte Halter die Werkplanung der Aufstockung selbst aus und involvierte früh alle Gewerke, darunter Baumeister, Zimmermann, Stahlbau- und Haustechnikunternehmung. Die Koordination erfolgte über ein BIM-Modell, das auch den Bestand im Detail erfasste. So gelang es, die Aufstockung und den Umbau deutlich schneller und kostengünstiger zu realisieren als von der Konkurrenz angeboten.

Früher durch eine flächige Gestaltung aus Metall und Beton geprägt, ist das Schulhaus heute rundum mit gewellten Faserzementplatten verkleidet. Für Daniel Lischer war klar: «Das Schulhaus sollte seine identitätsstiftende blaue Farbe behalten.» Nach der Aufstockung ist es das höchste Gebäude auf dem Areal und überragt auch die meisten Wohnhäuser der Umgebung. Das «blaue Schulhaus» wird auch zukünftigen Generationen ein Begriff sein.

 

Balken aus Tannenholz prägen die Decken der Schulzimmer und sind Teil der leistungsfähigen Holz-Beton-Verbunddecken. In den Zwischenräumen hängen Akustikpaneele und LED-Leuchten.
Die beiden bestehenden Treppenhäuser wurden aufgestockt und im selben Stil weitergeführt. Das gilt auch für die markante Betonscheibe zwischen den Treppenläufen.

 

AS ZWÖI ist mit der Schulraumplanung und den Bauten der Schule Entfelden eng vertraut. Das Architekturbüro aus Schöftland AG hat bereits mehrere Schulhäuser der Gemeinden Ober- und Unterentfelden umgebaut oder brandschutzsaniert. Als Nächstes stehen Arbeiten am «gelben Schulhaus» an. 2024 erstellte das Büro einen neuen Kindergarten in Buchs AG, 2021 einen in Schöftland. Nebst Bildungsbauten zählen Einfamilienhäuser sowie die Sanierung bestehender Gebäude zu den Schwerpunkten. Zudem plant und entwirft das achtköpfige Team Innenausbauten und Ladenbauten. as-zwöi.ch

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Zusammenfassung

  • In Oberentfelden wurde das «blaue Schulhaus» im Gesamtleistermodell um zwei Geschosse erweitert. Eine hybride Tragstruktur aus Holz, Stahl und Beton ermöglichte eine leichte, ressourcenschonende Aufstockung bei minimalen Eingriffen in den Bestand.
  • Dank hohem Vorfertigungsgrad, BIM-gestützter Planung und frühzeitiger Einbindung aller Gewerke konnte das Projekt in nur einem Jahr realisiert werden.
  • Das Schulhaus bietet heute mehr Platz für zeitgemässen Unterricht und verbindet die architektonische Identität des Bestands mit einer leistungsfähigen, nachhaltigen Konstruktion.

Diese Zusammenfassung wurde von GPT erstellt. Sie kann möglicherweise Fehler enthalten. Geprüfte Informationen entnehmen Sie bitte dem Artikel.

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