Abbruch oder Erneuerung?
Im Anspruchskanon von Verdichtung, Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Heimatschutz.
Am 16. Oktober 2025 wurde mit Unterstützung der Bundesämter für Umwelt und Energie die Stiftung Gebäudepass Schweiz ins Leben gerufen. Sie fördert die strukturierte Erfassung von Gebäudeinformationen mit dem Ziel, den Betrieb von Gebäuden zu optimieren und die kreislauffähige Wiederverwendung ihrer Materialien zu ermöglichen.
Menschen empfinden Gebäude als Teil ihres Lebensraums – als Orte des Wohnens, Arbeitens, Lernens oder der Begegnung. Ihre Qualität wird intuitiv wahrgenommen: über Licht, Raum, Akustik, Temperatur und Materialität. Für Akteure der Bau- und Immobilienwirtschaft ist ein Gebäude jedoch auch ein komplexes Informationsgefüge. Es besteht aus verbauten Komponenten, technischer Infrastruktur und Zuständen, die verändert werden können. Entscheidungen dazu beruhen zu einem grossen Teil auf Informationen.
Gebäude müssen folglich als Informationskonstrukt lesbar sein. Heute liegen Informationen jedoch meist nur fragmentiert vor. Sie sind über verschiedene Systeme, Akteure und Formate verstreut, teilweise inkonsistent, selten fortgeschrieben und kaum lebenszyklusübergreifend verknüpft. Als Folge werden zentrale Material- und Umweltdaten nicht systematisch genutzt. Nachweise erfordern einen hohen Aufwand, und Entscheidungsgrundlagen für betriebliche Strategien oder weiterführende Nutzungsmöglichkeiten sind unzureichend. Potenziale für die Kreislaufwirtschaft bleiben vielfach unerschlossen, denn lückenhaftes Datenmanagement führt nicht selten in eine informative Sackgasse. Obschon bereits Einzellösungen für Datenmanagement, Materialerfassung und Nachhaltigkeitsberichte existieren, fehlt ein durchgängiger und standardisierter Ansatz, der alle relevanten Informationen einer Immobilie über den gesamten Lebenszyklus zusammenführt und als strukturiertes Informationsgeflecht transparent verfügbar macht.
Die im Oktober 2025 gegründete Stiftung Gebäudepass Schweiz adressiert genau diesen Schwachpunkt. Initiiert wurde sie gemeinsam von GS1 Switzerland sowie Entscheidern, Organisationen und Unternehmen aus der Finanz-, der Bau- und der Immobilienwirtschaft. Als von den Bundesämtern für Energie (BFE) und Umwelt (BAFU) getragene Non-Profit-Organisation ist sie unabhängig und neutral aufgestellt.
«Die Stiftung verfolgt das Ziel, die Bauwirtschaft transparenter und effizienter zu machen – und das entlang der gesamten Wertschöpfungskette.»
Der Gebäudepass ist der digitale Ausweis einer Immobilie über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg. Auf einer eigens entwickelten Plattform verknüpft er systematisch das digitale Dossier eines Gebäudes mit seiner Materialliste und macht standardisierte Produktinformationen transparent und nutzbar. Eine wichtige Grundlage insbesondere für die Erfassung verbauter Produkte bilden europäische Regulierungen, namentlich die ab 2027 in Kraft tretende EU-Ökodesign-Verordnung sowie die revidierte Bauprodukteverordnung. Auch die Schweizer Bauwirtschaft ist aufgrund ihrer Marktverflechtung und der normativen Harmonisierung mit der EU indirekt betroffen. Entscheider fordern Rückverfolgbarkeit, Transparenz und vor allem Vergleichbarkeit von Immobilien ein.
Vor diesem Hintergrund erweist sich das Werkzeug zur Erfassung verbauter Materialien im Gebäudepass als logisch: Mit den internationalen GS1-Standards können Materialien standardisiert dokumentiert, rückverfolgt und für aktuelle wie auch künftige Nutzungen oder Recyclingprozesse ausgewiesen werden. Sie sprechen eine weltweit einheitliche Sprache und ermöglichen dadurch eine interpretationsfreie Zuordnung von Informationen zu verbauten Produkten. Daten werden pro Immobilie erfasst, strukturiert zugeordnet und bleiben über Identifikationsnummern abrufbar. In vielen Branchen seit Jahrzehnten standardisiert genutzt, schaffen die GS1-Standards effiziente und transparente Wertschöpfungsnetzwerke.
Der Gebäudepass wird damit zu einem neuen Arbeits- und Informationsinstrument in der Betriebsphase von Immobilien. Er erleichtert Nachbestellungen und Reparaturen und stärkt Instandhaltungs- und Bewirtschaftungsstrategien. Als belastbare Informationsgrundlage unterstützt er zudem ESG-Reportings, Due Diligence und die Einhaltung regulatorischer Anforderungen. Bauherrschaften, Betreiber, Planer und Rückbauer profitieren so in jeder Phase des Immobilienlebenszyklus von schlankeren Prozessen, soliden Entscheidungsgrundlagen, Werterhalt und einer verbesserten Kreislauffähigkeit von Immobilien. Aufwendige Gebäudeanalysen und verfehlte Kreislaufwirtschaft gehören damit der Vergangenheit an.
Im Anspruchskanon von Verdichtung, Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Heimatschutz.
Ende 2022 wurde der Visualisierungsspezialist Raumgleiter AG mehrheitlich in den Immobiliendienstleister Tend AG integriert. Dies ermöglichte einen…