Zwischen Rauheit und Eleganz

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Das Projekt B2Binz bildet den Auftakt zu einer der letzten Industrie- und Gewerbezonen in der Stadt Zürich. Das von Stücheli Architekten entworfene schlanke Gebäude vermag hervorragend zwischen den umliegenden Wohnbauten und den noch verbliebenen Industrie- und Gewerbebauten des Trendquartiers Binz zu vermitteln.

Die Fassadenbänder aus Trapezblech verleihen dem Gebäude einen dynamischen Ausdruck.
Text: Anita Simeon Lutz
Fotos: Studio Willen
19. Ausgabe / 2026

Die Geschichte der Binz hat mehr zu bieten, als man vermuten könnte. Bereits vor 500 Jahren wurde in der Binz Lehm abgebaut, ein zentraler Rohstoff für die ab Mitte des 19. Jahrhunderts florierenden Ziegeleien, die sich dort angesiedelt hatten. 1893 wurde das Gebiet zusammen mit der Gemeinde Wiedikon eingemeindet und gehört seitdem zur Stadt Zürich. So leistete die Gegend ihren Beitrag zu einem produktiven Netzwerk, das den Bau der Stadt mitgestaltete. Nach dem Ende der Lehmgewinnung, die noch bis 1975 betrieben wurde, blieben offene Flächen und eine geformte Landschaft zurück. So entwickelte sich die Binz über viele Jahrzehnte zu einem funktionalen, wenn auch unscheinbaren Industriegebiet. Betriebe, Werkstätten und Lagerhallen siedelten sich an. Die Nähe zum gut erschlossenen Bahnhof Zürich Wiedikon machte das Quartier zu einem praktischen Standort für Handel und Logistik.

Heute befindet sich laut Bau- und Zonenordnung in der Binz noch eines der letzten reinen Industrie- und Gewerbequartiere der Stadt. Und die Verantwortlichen sind gewillt, dieses als solches zu belassen, auch als Reminiszenz an die Entwicklung der Stadt Zürich. Die Binz ist zum pulsierenden Trendquartier geworden, zum Place to be. Viele nationale und internationale Unternehmen haben sich hier angesiedelt. Unterschiedliche gastronomische Angebote werten das Quartier auf. Es ist Zürichs neues Zentrum der Kreativwirtschaft. Dazu gehören unzählige Architekturbüros, und hie und da trifft man auch noch auf produzierendes Gewerbe.

B2Binz fügt sich perfekt in die Umgebung ein und vermittelt zwischen den Wohnbauten und der Gewerbezone.
Die ostseitige Zurückstufung des Gebäudekomplexes wirkt vermittelnd zum Quartier hin. Auf den obersten drei Etagen entstehen dadurch attraktive Aussenräume mit Fernsicht über die Stadt Zürich.

Auftakt zum Trendquartier

2019 konnte die PSP Swiss Property AG das Eingangsgrundstück ins Quartier direkt an der Haltestelle Zürich Binz der SZU-Bahn erwerben. Sie beauftragte die Halter AG als Totalunternehmer mit der Realisierung des Projekts B2Binz. Als Planungsbüro wurde die vor Ort ansässige Stücheli Architekten AG beigezogen.

Das trapezförmige Grundstück stellt einerseits den Auftakt zum Quartier dar und vermittelt zugleich zwischen den umliegenden Wohnzonen mit vier- und fünfgeschossigen Bauten und der reinen Industrie- und Gewerbezone. Von der Bahnhaltestelle aus erscheint das neue Gebäude wie ein vor Anker liegender Dampfer. An der Grubenstrasse verschlankt sich der Gebäudekomplex zu einer schmalen Fassade, die elegant über sechs Stockwerke hinauf in den Himmel ragt. Entlang der Binzstrasse nimmt das Gebäude die Kurve der Strasse auf. Die Erschliessung der beiden Eingänge liegt einige Tritte unter dem Strassenniveau, mit einem grosszügigen, lang gezogenen Vorplatz, der zum Flanieren einlädt. Die rückwärtige Fassade macht eine Verneigung zu den quer dazu verlaufenden Häuserzeilen an der Uetlibergstrasse. Das Gebäude wird in den oberen Geschossen sukzessiv zurückgestuft, sodass sich der Neubau nicht als undurchdringliche Mauer vor die Altbauten stellt, sondern eine Geste der Versöhnung wagt, die die Eingliederung des Baus in das Quartier unterstützt. Die dadurch entstehenden Terrassen geben den Räumen der oberen drei Geschosse einen attraktiven Aussenraum mit Fernsicht bis weit in das Enge-Quartier hinein.

Veredelter Industriebau

Im Ausdruck erinnert B2Binz an Industriebauten aus der Nachkriegszeit. Die um das ganze Gebäude gezogenen Fassadenbänder verleihen der Hülle Dynamik und Eleganz. Die Fensterrahmen wurden in einem hellen Grau eloxiert, das je nach Sonneneinstrahlung schon fast gülden schimmert. Im Kontrast zu den Fassadenbändern wurde für die Fenster ein stehendes Format gewählt. Pro Fensterfeld gibt es je einen Lüftungsflügel, was das Arbeiten im Gebäude an menschliche Bedürfnisse anpasst. Obwohl das ganze Bauwerk über eine kontrollierte Lüftung verfügt, die den Luftaustausch regulär gewährleistet.

Als Fassadenverkleidung wurde ein salbeigrünes Trapezblech gewählt, das einerseits den Industriecharakter des Gebäudes unterstützt, aber auch ein geeignetes, langlebiges und unterhaltsarmes Material ist, das der Nachhaltigkeit des Gebäudes Rechnung trägt. Das Trapezblech hat zwei unterschiedliche Amplituden: In den unteren Geschossen sind sie breiter, in den oberen drei Geschossen enger. So wird das Gebäude optisch in eine Sockelpartie und eine Überbaupartie eingeteilt. Aufgrund der Bau- und Zonenordnung waren ursprünglich die unteren Geschosse für Gewerbe und die oberen drei Geschosse für eine Büronutzung vorgesehen.

Durch die offene Struktur mit durchgehenden Flächen von einer Fassade zur anderen entsteht maximale Nutzungsneutralität. Die statischen Elemente wurden auf das Wesentlichste reduziert, die technischen Installationen werden in zwei Erschliessungskernen nach oben geführt und über die Decke fein verteilt.

Flexible Nutzung mit hohem Gewerbeanteil

«Uns schwebte eine flexible Struktur mit durchgehenden Flächen von einer Fassade zur anderen vor», erklärt Eva Schaub, dipl. Architektin FH und Mitglied der Geschäftsleitung der Stücheli Architekten AG, die für das Projekt verantwortlich war. Die statischen Elemente wurden aufs Wesentliche reduziert. Die technischen Installationen werden in den zwei Erschliessungskernen nach oben geführt und via abgehängte Decke fein verteilt. Thermoaktive Bauteilsysteme sorgen für ein angenehmes Raumklima. Dabei wird die Gebäudemasse, namentlich der Beton, als Energiespeicher und Strahlungsfläche genutzt. Dennoch sollten die Flächen möglichst gut einteilbar sein. Die Stützenraster sind auf die Fassadeneinteilungen abgestimmt und umgekehrt. Die Mischung zwischen Rauheit und Eleganz macht den Charakter dieses Gebäudes aus.

Im Erdgeschoss entsteht durch den offenen Grundriss eine Art Bühne, vor allem dann, wenn alle Schiebefenster im Bereich der Stützen parkiert sind. Dann fliesst der Aussenraum unter dem Gebäudekorpus hindurch und verbindet den Gewerbeteil mit den öffentlichen und halböffentlichen Vorplätzen. «In der Planung haben wir uns vorgestellt, dass sich im Parterre eventuell eine Schreinerei, eine Spenglerei oder ein anderweitiger Gewerbebetrieb mit schweren Maschinen und grossen Lagerbedürfnissen einnisten würde», erklärt Eva Schaub. Die Vermarktung des Projekts erwies sich jedoch als nicht einfaches Unterfangen. Erst mit der Gründung und der Übernahme der unteren zwei Geschosse durch das House of Interiors (siehe Interview Seite 100) im Jahr 2025 kam Schwung in die ganze Angelegenheit. Heute beherbergt das Erdgeschoss eine Töpferei, eine Produktionseinheit für Akustikpaneele, eine Holzwerkstatt, eine Textil- sowie eine Leuchtenmanufaktur. Am Kopf des Gebäudes gegenüber der Bahnhaltestelle wurde ein Café eröffnet, was die Integration des Komplexes in die Umgebung definitiv besiegelt.

 

STÜCHELI ARCHITEKTEN wurde 1946 von Werner Stücheli (1916–1983) in Zürich gegründet. Stüchelis zahlreiche, mehrfach ausgezeichnete Bauten, darunter das erste Hochhaus in der Zürcher Innenstadt (Geschäftshaus Zur Bastei, 1955), prägen bis heute das Stadtbild von Zürich. Mittlerweile wird das Unternehmen von der Partnerin Eva Schaub und den Partnern Mathis Tinner und Daniel Zuppiger geleitet und beschäftigt rund vierzig Mitarbeitende. stuecheli.ch

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Zusammenfassung

  • Mit B2Binz entstand am Eingang des Zürcher Quartiers Binz ein flexibel nutzbares Gewerbe- und Bürogebäude, das zwischen Wohnquartier und Industriezone vermittelt.
  • Stücheli Architekten setzten auf eine robuste Industrieästhetik mit salbeigrüner Trapezblechfassade, kombiniert mit einer eleganten und klar gegliederten Architektur.
  • Dank offener Grundrisse und anpassungsfähiger Flächen bietet das Gebäude Raum für unterschiedliche Nutzungen. Heute beherbergt es unter anderem Werkstätten, Manufakturen und ein Café.

Diese Zusammenfassung wurde von GPT erstellt. Sie kann möglicherweise Fehler enthalten. Geprüfte Informationen entnehmen Sie bitte dem Artikel.

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