Kleine Freiheit, grosse Bühne
Der Balkon bildet eine Schnittstelle zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit. Einst nutzten ihn Könige und Diktatoren für politische Reden; der…
Ein Foto-Essay mit Bildern von Roland Bernath und Lucas Peters. Es vermittelt Eindrücke der umfassenden Revitalisierung des Oerlikon One und zeigt, wie ein bedeutendes Bauwerk der Nachkriegsmoderne für eine zeitgemässe Nutzung weiterentwickelt wurde.
Das Hotel International in Oerlikon war bei seiner Eröffnung 1972 eine kleine Sensation. Nicht nur, dass es das höchste Gebäude der Stadt Zürich war, es war auch nach dem Vorbild internationaler Hotelketten geplant und gebaut worden: Die chic ausgestattete Lobby beherbergte zwei Bankfilialen, einen Kiosk, eine Autovermietung und ein Swissair-Reisebüro. In einer Ladenstrasse konnten sich die Gäste frisieren und einkleiden lassen. Für das kulinarische Wohl sorgten mehrere Bars und Restaurants. Die Lage war günstig, denn der 85 Meter hohe, markante Betonturm steht ziemlich genau in der Mitte zwischen Stadtzentrum und Flughafen direkt am Bahnhof Oerlikon. Doch was in der Entstehungszeit ein Plus war, wurde nach der Jahrtausendwende zum Minuspunkt. Der Reiz der Agglomeration war verflogen, die Belegungszahlen sanken Jahr für Jahr, und mit Corona kam 2020 der Konkurs. Die Eigentümerschaft, ein Fonds der Credit Suisse, heute der UBS, musste sich die Frage stellen, wie es weitergehen sollte. Man entschied sich für die Revitalisierung und beauftragte die Halter AG mit den Umbauarbeiten. Diese wurden im Sommer 2025 abgeschlossen.
Heute ist mit dem «Mama Shelter» auf den ersten zwölf Etagen wieder ein junges Boutiquehotel eingezogen, das dem zentralen Standort neues Leben einhaucht. Darüber, in den Stockwerken 13 bis 27, werden 124 Mietwohnungen unter der Marke Oerlikon One angeboten. Drei verschiedene Ausbaustandards – Classic, Mezzanine, Penthouse – stehen zur Auswahl. Wer ganz oben einzieht, kann sich auf ein Triplex mit Dachterrasse und Panoramasicht freuen. Doch auch die kleineren Einheiten versprechen den Reiz des Besonderen, denn das gesamte Gebäude wurde bereits 2021 als «hervorragender Zeuge der Nachkriegsmoderne mit schweizweiter Ausstrahlung» unter kommunalen Denkmalschutz gestellt. Eine Trouvaille am Rande von Zürich, die einen Impuls für die Entwicklung Oerlikons auch südlich des Bahnhofs setzen könnte.
(Die Architekturreportage «Verjüngungskur mit Vorlauf» lässt sich hier oder in Komplex 2022 nachlesen.)
MAMA SHELTER ist eine stark wachsende Lifestyle-Hotelkette, die zu Accor gehört, dem grössten Hospitality-Konzern Europas. Ursprünglich wurde die Marke von Serge Trigano und seinen beiden Söhnen Jérémie und Benjamin in Frankreich gegründet. Heute verfügt sie über 19 Häuser in Europa, dem Nahen Osten und Asien. Im Frühling 2026 kommen mit Los Angeles und Mexiko-Stadt zwei neue Destinationen hinzu.
«Mama Shelter» versteht sich als «urbaner Zufluchtsort» für ein überwiegend junges Publikum. Entsprechend bunt und unkonventionell sind Ausstattung und Design. Eine Besonderheit in Oerlikon ist «Mama’s Garden», eine bewirtschaftete Terrasse, die Teil des unter Denkmalschutz stehenden Betonbaus aus den 1970er-Jahren ist, in dem sich das Hotel befindet. mamashelter.com
Der Balkon bildet eine Schnittstelle zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit. Einst nutzten ihn Könige und Diktatoren für politische Reden; der…
Seit dem Eröffnungsfest im Oktober 2023 hat das Henz-Areal in der Nähe von Aarau eine vielfältige Mieterschaft angezogen. Unter den Bewohnenden…