Modern arbeiten, auf Traditionen bauen
Seit neunzig Jahren wird bei Schlagenhauf gemalt, gegipst, gemauert und saniert. Nun gestaltete der Handwerksbetrieb seinen Hauptsitz in Meilen neu.…
Die Renovation eines grossen Bürogebäudes bei laufendem Betrieb erfordert eine sorgfältige Planung. In Lausanne verbindet das Projekt Bloom eine architektonische Neugestaltung mit einer energetischen Sanierung und der Umwidmung von öffentlichen Bereichen. Auf der komplexen Baustelle wurden Einschränkungen zum Impulsgeber für Lösungsansätze.
Das im Norden von Lausanne gelegene Dienstleistungsgebäude Bloom wurde kürzlich umfassend saniert. Der in den 1990er-Jahren erbaute Komplex war lange unter dem Namen World Trade Center bekannt. Er umfasst fünf Gebäudeteile mit einer Gesamtfläche von rund 17 000 Quadratmetern. Seine monumentale Architektur und eine auf die Automobilität ausgerichtete Organisation entsprachen nicht mehr den heutigen Nutzungsanforderungen und sollten in ein zeitgemässes Erscheinungsbild überführt werden.
Nach einer mehrjährigen Findungsphase beauftragte die Bauherrschaft Intershop die Halter AG 2023 als Totalunternehmer mit dem Projekt. Als Massnahmen wurden die architektonische Umgestaltung, eine energetische Sanierung, der Ersatz der technischen Anlagen sowie die Revitalisierung der öffentlichen Bereiche identifiziert. Das Lausanner Architekturbüro A-rr, das bereits in die Vorplanungen involviert gewesen war, begleitete auch die Realisierungsphase. Diese Organisation machte es möglich, Entscheidungen zu technischen, wirtschaftlichen und architektonischen Fragen übergreifend zu treffen.
Die offensichtlichste Veränderung von Bloom betrifft die Gebäudehülle. Die ursprüngliche Marmorfassade war veraltet und wies erhebliche Befestigungs- und Sicherheitsmängel auf. Fast 8000 Quadratmeter Stein mussten rückgebaut werden, was eine sorgfältige Logistik erforderte. Die Massnahme ermöglichte jedoch ein komplett neues Erscheinungsbild des Ensembles, das sich heute in einer Hülle aus eloxiertem Aluminium zeigt. Zusammen mit einer zwanzig Zentimeter starken Dämmung verbessert die neue Fassade die Energieeffizienz des Gebäudes erheblich, wobei das Volumen erhalten blieb. Der Ersatz des Marmors markiert somit einen bewussten Entscheid: den Verzicht auf Monumentalität zugunsten einer architektonischen Ausdrucksform, die aktuellen Nutzungsanforderungen besser entspricht.
Die Sanierung der Gebäudehülle war ein zentraler Bestandteil der integralen Projektabwicklung im Design-Build-Modell, welches das gesamte Projekt prägte. Halter arbeitete dabei bereits in den ersten Projektphasen eng mit der Bauherrschaft und den beteiligten Unternehmern zusammen, sodass architektonische, technische und wirtschaftliche Entscheidungen gemeinsam erarbeitet und kontinuierlich angepasst werden konnten. Dabei wurde auch die neue Metallfassade entwickelt, bei deren Planung Aspekte wie Energieeffizienz, Umsetzbarkeit, Baustellenlogistik und ästhetischer Ausdruck berücksichtigt wurden.
Die äussere Neugestaltung geht mit dem Umbau der öffentlichen Bereiche einher. Das Erdgeschoss, das schon immer als strukturierendes Element des Gebäudes diente, wurde zum wichtigsten Treiber für die Revitalisierung. Seine grosse Halle, in der früher eine breite Treppe zu einer Brasserie im Untergeschoss führte, wurde komplett neu organisiert. Mit dem Schliessen des Schachtes konnte ein grosszügiger, heller und durchgehender Raum auf einer Ebene geschaffen werden, der die Verkehrswege zwischen den Gebäuden bündelt und für Orientierung sorgt. Zudem bietet die Halle nun Platz für einen Empfang, informelle Treffen oder Veranstaltungen.
Zum Redesign des Erdgeschosses gehörten auch die Verlegung des Haupteingangs, der die Halle nun direkt erschliesst, sowie Arbeiten an den Aussenanlagen: Grüne Ruhezonen und Gemeinschaftsbereiche ergänzen den bestehenden Baumbestand und schaffen Orte der Erholung.
Von Anfang an gab es wesentliche Einschränkungen für die Umbauarbeiten. Die Büros, das Restaurant, der Kiosk, die Parkplätze und die sensiblen Infrastrukturen – darunter mehrere Rechenzentren im Untergeschoss – sollten in Betrieb bleiben. So kam der Baustellenorganisation eine besondere Rolle zu. In drei grossen Phasen wurden nach einem genauen Zeitplan jeweils ein Gebäude und darin etappiert ganze Etagen renoviert. Auf diese Weise konnte der laufende Betrieb aufrechterhalten werden.
Als zentrale Herausforderung erwies sich die Organisation der Schnittstellen. Die Eingänge, die Verkehrserschliessung und die Sicherheit wurden kontinuierlich der Entwicklung der Baustelle angepasst. Um eine klare Durchwegung zu gewährleisten, wurden temporäre Abschrankungen installiert und mit dem Fortschreiten der Arbeiten versetzt. Der Bauleitung, die im ständigen Austausch mit den Nutzenden war, kam hier eine entscheidende Rolle zu.
Darüber hinaus war die Sanierung mit erheblichen technischen und baulichen Herausforderungen verbunden, die für Bürogebäude aus dem späten 20. Jahrhundert charakteristisch sind. Der gesamte Komplex musste den aktuellen Erdbebenstandards angepasst werden. Diese erforderten die Trennung der Gebäudeteile voneinander – besonders an den Passerellen –, was umfangreiche Säge-, Verstärkungs- und Abstützarbeiten nach sich zog. Auch die bestehenden Böden wurden verstärkt, damit sie höhere Lasten aufnehmen können und eine grössere Flexibilität bei der Raumgestaltung ermöglichen.
In der viergeschossigen Tiefgarage erforderten korrodierte Armierungseisen umfangreiche Arbeiten, darunter eine Hydrodemolition und die Wiederherstellung der Abflussrinnen. Berücksichtigt werden mussten zudem die Nähe zum Flughafen Blécherette, die einen permanenten Kran unmöglich machte, Relaisantennen auf dem Dach und die vibrationsempfindlichen Rechenzentren im Untergeschoss.
In diesem Kontext kann das Ende 2025 abgeschlossene Projekt Bloom als eine echte Herausforderung gesehen werden. Die faktischen Hindernisse beeinflussten die technischen, baulichen und architektonischen Entscheidungen der am Umbau Beteiligten. Für den Totalunternehmer bestand die Herausforderung unter anderem darin, zwischen der Planung und den Gegebenheiten auf der Baustelle zu vermitteln. Die Sanierung wurde somit zu einem anspruchsvollen Prozess, der das Gebäude in einen neuen Lebenszyklus überführte.
Seit neunzig Jahren wird bei Schlagenhauf gemalt, gegipst, gemauert und saniert. Nun gestaltete der Handwerksbetrieb seinen Hauptsitz in Meilen neu.…