Von der Fahrbahn zum Stadtraum
Die Geschichte der Siedlungsentwicklung muss immer im Zusammenhang mit der Entwicklung von Verkehrsnetzen gesehen werden. Seit dem Mittelalter hat…
Bei der Planung für ein Verdichtungsprojekt in Oberengstringen setzte die Halter AG ein neuartiges Workshop-Verfahren ein: Der Prozess erfolgte im direkten Austausch zwischen dem Gesamtleister und seinem Entwurfsteam, der Fachbegleitung und den Gemeindevertretern. So können qualitätsvolle Projekte ohne weitere Überarbeitung direkt in die Umsetzung gebracht werden.
Das Wettbewerbswesen hat in der Schweiz grosse Tradition. Ohne Zweifel führte es in den letzten Jahrzehnten zu einer hohen architektonischen Qualität. Doch kommen vermehrt Zweifel auf, ob der Prozess den immer komplexer werdenden Anforderungen im Kontext der inneren Siedlungsentwicklung gerecht werden kann. Hier zeigt das von Halter praktizierte Workshop-Verfahren einen neuen Ansatz auf, der in der entscheidenden Phase des Entwurfs eine schrittweise und konsistente Beantwortung aller relevanten Fragen ermöglicht.
Christof Glaus vom Kompetenzzentrum «Städtebau und Architektur» der Halter AG erklärt: «Das Workshop-Verfahren gibt es schon länger. Neu ist nun, dass das Entwurfsteam als Teil des verantwortlichen Gesamtleisters agiert, der im engen Dialog mit einer unabhängigen Fachbegleitung und Vertretern der Gemeinde Lösungen eruiert.» Das Resultat ist ein qualitativ hochwertiges, bewilligungsfähiges Projekt, das sowohl den öffentlichen Interessen als auch denjenigen des Bauträgers sowie des Marktes gerecht wird. Im Gegensatz zum klassischen Wettbewerb vermeidet dieses Vorgehen nachfolgende Überarbeitungsrunden, die oft nur zur Entfremdung vom ursprünglichen Entwurf führen oder eine Umsetzung mangels Realisierbarkeit verhindern.
Beispielhaft angewandt wurde das Verfahren Ende 2025 für ein Verdichtungsprojekt in Oberengstringen. Im nördlichen Bereich eines 13 000 Quadratmeter grossen Grundstücks an der Gartenstrasse standen bereits zwei Wohnbauten aus den 1970er-Jahren. Gegen die Zürcherstrasse im Süden wies das Areal jedoch noch Freiraum auf. Der Eigentümer entschied sich nach einer Evaluierung mit der Halter AG, ein Workshop-Verfahren zu initiieren. In der Folge arbeiteten Christof Glaus und Alain Glasson zusammen mit den Landschaftsarchitekten Stefan Rotzler und Lars Ruge fünf Projektstudien aus. Wichtige Kriterien dabei waren, die Durchlässigkeit des Areals zu erhalten, die Strassenseite der Überbauung mit Gewerbe zu aktivieren und zum Inneren des Grundstücks hin anspruchsvolles Wohnen möglich zu machen. «Wir sind sehr analytisch an die Aufgabe herangegangen und haben verschiedene Varianten, die auf die Umgebung reagieren, getestet. In einem dreistufigen Verfahren, bei dem der Detaillierungsgrad stetig zunahm, wurde ein Entwurf favorisiert, der mit einem Eingangstor auf der westlichen Seite einen Hochpunkt setzt. Zwei weitere Baukörper stehen senkrecht zur Strasse und spielen die Tiefe des Areals frei. Auf dieser Basis arbeiten wir gerade das Richtprojekt aus, das die Grundlage für den Gestaltungsplan bildet», erklärt Christof Glaus. Er betont, dass das gesamte durch die Planpartner AG organisierte und von Roger Weber, Weberbrunner Architekten, geleitete Verfahren keine drei Monate gedauert habe, von der Begehung des Areals über zwei Zwischenbesprechungen bis zum Schlusstermin. Die Entwürfe wurden den Teilnehmenden immer jeweils eine Woche zuvor zugestellt, damit sie sich in Ruhe damit vertraut machen konnten.
Dies stellt einen grossen Vorteil gegenüber einem mehrstufigen Wettbewerbsverfahren dar, in dem die Jury erst dann zusammenkommt, wenn die teilnehmenden Planerteams ihre über Monate erarbeiteten Vorschläge präsentieren, und nach dem Entscheid der meiste Teil der geleisteten Arbeit im Papierkorb landet – was bei vielen nicht nur zu grosser Enttäuschung führt, sondern auch eine enorme Ressourcenverschwendung darstellt.
Beim Workshop-Verfahren hingegen können sich alle Beteiligten von Anfang an einbringen und als Team ein Projekt gemeinsam und rechtskonform in die richtige Richtung lenken. Die Planung erfolgt, wenn möglich, vollständig digital. Über die 3D-Onlineplattform Luucy werden im weiteren Verlauf Entwürfe unmittelbar im städtebaulichen Kontext dargestellt und deren Wirkung in Echtzeit beurteilt. Selbst Baukostenberechnungen lassen sich mit den verfügbaren Tools jederzeit prozessbegleitend durchführen.
«Für mich war das Workshop-Verfahren für die Gestaltung der Gartenstrasse Süd ein sehr gelungener Prozess, bei dem sich die Gemeinde von Beginn an einbringen konnte», stellt René Beck, Gemeinderat und Bauvorstand von Oberengstringen, fest. Wenn er den fertigen Gestaltungsplan in der Gemeindeversammlung vorstellen wird, kann er sich für ein Projekt einsetzen, an dem er aktiv mitgearbeitet hat und das er infolgedessen auch argumentativ überzeugend darzustellen weiss.
Die Geschichte der Siedlungsentwicklung muss immer im Zusammenhang mit der Entwicklung von Verkehrsnetzen gesehen werden. Seit dem Mittelalter hat…