Die zweite Halbzeit hat begonnen

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Mit der Pilatus Arena in Kriens erhält der Hallensport in der Zentralschweiz eine lang ersehnte Infrastruktur. Doch das Grossprojekt von Giuliani Hönger Architekten will mehr sein als ein monofunktionales Sportstadion. Mit zwei Wohntürmen, Gewerbe im Erdgeschoss und einer vielseitig nutzbaren Halle als vermittelndem Element soll es ab 2025 die Identität des neuen Mattenhof-Quartiers im Süden Luzerns mitprägen.

Event-Location und Stadtbaustein – die Wohntürme und der gläserne Kubus der Pilatus Arena werden das künftige Quartierzentrum prägen. Blick vom Mattenplatz auf die Ringstrasse.
Text: Deborah Fehlmann
Visualisierungen: Raumgleiter
Modellfoto: Stefano Schröter
14. Ausgabe / 2021

Die Vision einer neuen Saalsporthalle begleitet Nick Christen seit Jahrzehnten. Weil im Raum Luzern eine angemessene Infrastruktur von jeher fehlt, feierte der frühere Handballprofi seine Erfolge mit Borba Luzern jeweils in Sursee. Als er vor 13 Jahren die Geschäftsleitung des HC Kriens-Luzern übernahm, beschloss er, das zu ändern. Ihm schwebte eine multifunktionale Halle vor, die sich auch für Länderspiele, Schulsport oder Konzerte eignen würde und über Mantelnutzungen finanziert werden sollte. Denn bei den Gemeinden, das wusste Christen, würde er mit seiner Idee keine offenen Türen einrennen – drei öffentlich finanzierte Projekte für Saalsporthallen waren zuvor bereits gescheitert. Nach viereinhalb Jahren im Alleingang konnte er die Eberli AG aus Sarnen als ersten von drei privaten Umsetzungspartnern für das Vorhaben gewinnen, und die Planung der Pilatus Arena nahm Fahrt auf.

Mit dem regionalen Entwicklungsträger Luzern Plus führten die Initianten eine Standortevaluation durch, aus der das Areal Mattenhof 2 an der Peripherie von Kriens als Sieger hervorging. 2016 konnten sie sich die lang gezogene Parzelle über einen Kaufrechtsvertrag mit der Stadt Luzern als Eigentümerin sichern. Mit einer Stirnseite stösst das Areal auf die S-Bahn-Haltestelle Mattenhof. Jenseits der Gleise liegt die Luzerner Allmend, an deren fernem Ende die Zwillingstürme der Swissporarena aufragen. Vom Bahnhof wegführend, schneidet die Ringstrasse das Mattenhof-Areal entzwei. Auf dem Teilgebiet Mattenhof 1 steht seit gut zwei Jahren der Vorbote einer künftigen Entwicklung: Die Mikropole Mattenhof vereint 130 Wohnungen, Büros, ein Hotel, Geschäfte und Restaurants in fünf Baublöcken. Noch ist sie eine Insel im heterogenen Gewerbegebiet. Gemäss dem Entwicklungskonzept LuzernSüd liegt genau hier aber das Zentrum eines künftigen Lebensraums mit bis zu 15 000 Wohn- und Arbeitsplätzen (vgl. Vertiefungsstudie Mattenplatz, 2015).

Der Standort im Herzen des Entwicklungsgebiets ist für die Pilatus Arena mit Blick auf die erforderlichen Mantelnutzungen attraktiv. Zudem ermöglichen die hervorragende Anbindung an den öffentlichen Verkehr und regionale Velorouten ein autoarmes Mobilitätskonzept. Umgekehrt verpflichtet die Zentralität aber zu einem qualitätsvollen Beitrag an das künftige Quartier.

Von aussen erscheint die Pilatus Arena sanft, in ihrem Inneren versteckt sich ein Hexenkessel. Die Halle ist mit 4000 Zuschauerplätzen und modernster Ausrüstung auch Länderspielen gewachsen.
Verweilen unter dem Stadtbalkon. Die Fussgängerpromenade dient bei Grossanlässen als Ankunftsort. Im Alltag steht sie dem Quartier als öffentlicher Raum zur Verfügung.

Dichte als Herausforderung

In diesem Bewusstsein führte die Bauherrschaft 2017 einen zweistufigen Studienauftrag mit Präqualifikation durch. Die erste Stufe diente der Klärung der Frage, ob sich mit den für die Querfinanzierung des Stadions notwendigen Nutzungen überhaupt ein qualitätsvoller Städtebau realisieren liesse. Das Raumprogramm sah nebst der multifunktionalen Arena mit 4000 Zuschauerplätzen 100 Miet- und 250 Eigentumswohnungen sowie 2000 Quadratmeter Gewerbe- und Büroflächen vor – bei einer Grundstücksfläche von 12 900 Quadratmetern ein äusserst ambitioniertes Vorhaben.

Es resultierten dichte Projekte mit markanten Hochpunkten. Die Entwerfenden konnten die Ausnutzungsziffer sowie die Anzahl, Höhe und Position der Bauten frei bestimmen. Dabei erwiesen sich, so der Bericht des Beurteilungsgremiums, diejenigen Lösungsvorschläge als die tragfähigsten, welche die Saalsporthalle im Zentrum positionierten und mit zwei Hochhäusern, einem höheren am Bahnhofplatz und einem tieferen zum Mattenplatz hin, flankierten. So auch der siegreiche Entwurf von Giuliani Hönger Architekten. Ihnen gelang der feingliedrigste und hinsichtlich der Einfügung in den baulichen Kontext überzeugendste Entwurf. Die Architekten erklären dies mit drei Grundsatzentscheiden: Erstens setzten sie sich zum Ziel, die Arena als ohnehin massiven Baukörper möglichst flach auszubilden. Das Spielfeld liegt deshalb auf Erdgeschossniveau. Zweitens besetzten sie den Perimeter vollflächig mit einem zweigeschossigen Sockel. Darauf entwickelten sie, drittens, drei eigenständige Bauten. Die Arena liegt als gläserner Kubus in der Mitte. Der 110 Meter hohe Turm am Bahnhofplatz und die 50 Meter hohe Scheibe am Mattenplatz setzen sich mit rhythmisch gegliederten Fassaden aus hellem Kunststein klar davon ab. Dank ihren polygonalen Grundrissen wirken die beiden Wohnbauten schlank. Volumetrische Versprünge und die Fassadengliederung schaffen Bezüge zu den Nachbarbauten. Die klare Dreiteilung ist nicht zuletzt auch den verschiedenen Bauherrschaften geschuldet: Während die Eberli AG und die Halter AG die Arena und den Turm vorwiegend mit Eigentumswohnungen realisieren, setzen Helvetia Versicherungen das Scheibenhochhaus als Mietwohnungsbau um.

Entscheidend für die Qualität des Grossprojekts im Quartier wird aber zweifellos die Ausgestaltung des Sockelgeschosses sein. Giuliani Hönger legten grossen Wert darauf, rundum Öffentlichkeit zu generieren. Den Auftakt gegen den Bahnhof macht ein Restaurant im Sockel des Wohnturms. Entlang der Ringstrasse entwarfen die Architekten in Zusammenarbeit mit Vogt Landschaftsarchitekten eine breite Promenade. Anders als ein konventioneller Vorplatz zur Saalsporthalle soll diese als öffentlicher Raum auch dann funktionieren, wenn gerade kein Grossanlass stattfindet. Schaufenster sowie Zugänge zur Arena, zu den Gewerbeflächen und den Wohnbauten beleben den Strassenraum. Polygonale Bauminseln und ein Pavillon mit Kiosk geben dem langen Sockelgeschoss ein Gegenüber und zonieren die Promenade. Den eigentlichen Anziehungspunkt im Strassenraum bildet aber die Arena selbst. Zwar verbergen sich Spielfeld und Tribünen im Bauch des Sockelgeschosses. Den von oben erfolgenden Zugang zu den Zuschauerrängen inszenieren Giuliani Hönger dafür als neun Meter hohes, umlaufendes Foyer mit Glasfassade. Der Stadtbalkon, wie die Architekten den Glaskubus nennen, kragt über das Sockelgeschoss hinaus in den Strassenraum und trägt das Geschehen aus dem Inneren der Arena in die Öffentlichkeit.

Ihre Feingliedrigkeit verdankt die Glasfassade dem statischen System: Betonstützen im Bereich der hintersten Zuschauerreihen tragen einen fünf Meter hohen Deckenrost aus Stahl, der die 44 mal 62 Meter grosse Halle stützenfrei überspannt. Die Träger kragen mit geringerer Höhe über die Stützen aus und tragen die Lasten des Stadtbalkons über filigrane Zugstützen ab. Die Deckenfelder zwischen den Trägern dienen wechselweise als technischer Installationsraum oder Oblicht. Eine extensive Begrünung zeichnet das Karomuster der Tragstruktur auf dem Dach nach.

Giuliani Hönger gestalteten das Hallendach im Gegensatz zu anderen Wettbewerbsteilnehmenden jedoch nicht als Dachgarten. Die Lage abseits der alltäglichen Wege der Bewohnerschaft sei zu isoliert, als dass ein belebter Ort entstehen könne, sind sie überzeugt. Tatsächlich wirft die Schaffung von halb öffentlichen Aussen- und Grünräumen in dem dichten Gefüge Probleme auf, welche die Pilatus Arena nicht auf der eigenen Parzelle zu lösen vermag. Zwar sollen auf beiden Hochhäusern gemeinschaftliche Dachterrassen entstehen, das Naherholungsgebiet Allmend wird für die Bewohnerinnen und Bewohner aber unverzichtbar sein. Zudem sollen über die Mehrwertabgabe, welche die Bauherrschaft im Gegenzug für eine höhere Ausnützung an die Gemeinde entrichtet, Spiel- und Freizeitflächen in der Umgebung finanziert werden.

Für ein vielfältiges Quartierzentrum

Künftig wird die Pilatus Arena das Mattenhof-Quartier als markanter städtischer Baustein, aber auch als Ort öffentlicher Grossveranstaltungen prägen. Dass ein solches Vorhaben auch Widerstand in der Bevölkerung weckt, erstaunt nicht. So nahmen die Krienser den Bebauungsplan und die Teilzonenplanänderung im November 2020 an der Urne nur knapp an – trotz Unterstützung des Einwohnerrates und aller politischer Parteien. Die Initianten sind zuversichtlich, dass die Arena dem Quartier positive Impulse geben wird. Nebst überzeugender Architektur setzen sie dabei einerseits auf eine durchmischte Nutzer- und Bewohnerschaft: Im Sockelgeschoss soll auch lokales Kleingewerbe Platz finden. Das Wohnungsspektrum darüber reicht von der Kleinwohnung bis zum Penthouse mit Blick auf Pilatus und Vierwaldstättersee. Auch variable Kleinwohnungen nach dem MOVEment-Konzept soll der Turm beherbergen. Andererseits wird Wert auf ein quartierverträgliches Mobilitätskonzept gelegt. Event-Besucher sollen mit Velo, Bahn oder Bus anreisen. Hallenbetreiber, Gewerbe und Anwohner teilen sich eine Tiefgarage. Und schliesslich, sagt Nick Christen, werde die Arena neben öffentlichen Anlässen auch Trainings und dem Schulsport dienen. Diese Nutzungsvielfalt auf kleinem Raum ist baulich wie auch betrieblich eine Herausforderung. Sie verleiht der Pilatus Arena aber auch das Potenzial zum Katalysator für die Entwicklung des künftigen Mattenhof-Quartiers.

Der 110 Meter hohe Pilatus Tower markiert den Bahnhof und schafft über die Allmend hinweg einen Bezug zu den beiden Wohnhochhäusern bei der Swissporarena, die im Hintergrund links in die Höhe ragen.

GIULIANI HÖNGER ARCHITEKTEN Lorenzo Giuliani und Christian Hönger gründeten Giuliani Hönger Architekten 1991. Das Büro beschäftigt heute rund 35 Mitarbeitende und 5 Partner. Die Gründer waren 1990 bis 1994 als Assistenten in Städtebaugeschichte, Entwurf und Konstruktion an der ETH Zürich und 1999 bis 2013 als Professoren an den Fachhochschulen ZHAW beziehungsweise HSLU tätig. 2013 bis 2015 hatten sie gemeinsam eine Gastprofessur an der EPFL inne. Aus der gemeinsamen Tätigkeit gingen zwei Hauptinteressen hervor: «mehrdeutige Typologien» und «starke Räume». Seine Vielfalt an Aufträgen erarbeitete das Büro mit Wettbewerben. Realisierte und ausgezeichnete Bauten sind der Bahnhof und Bahnhofplatz St. Gallen (2019), das Wohn- und Gewerbehaus Schlotterbeck in Zürich (2017), das Innovationszentrum Hilti in Schaan (2014), das Fachhochschulzentrum St. Gallen (2013) und die Fachhochschule Sihlhof in Zürich (2003). In Bearbeitung sind derzeit neben der Pilatus Arena mit Wohntürmen (2025) die Erweiterung des Bahnhofs Stadelhofen in Zürich (2035) und das Klinikum 2 des Universitätsspitals Basel (2038). www.giulianihoenger.ch

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Zusammenfassung

  • Mit der Pilatus Arena entsteht in Kriens eine multifunktionale Sport- und Eventhalle für bis zu 4000 Zuschauerinnen und Zuschauer. Das Projekt geht auf die Initiative des ehemaligen Handballprofis Nick Christen zurück und soll eine langjährige Lücke in der Hallensportinfrastruktur der Zentralschweiz schliessen.
  • Das von Giuliani Hönger Architekten entwickelte Ensemble verbindet die Arena mit zwei Wohntürmen, Gewerbeflächen und öffentlichen Räumen. Die Halle bildet das Zentrum eines dichten, gemischt genutzten Stadtbausteins im Entwicklungsgebiet LuzernSüd und soll die Identität des neuen Mattenhof-Quartiers mitprägen.
  • Besonderes Augenmerk gilt dem öffentlichen Raum: Eine breite Promenade, aktive Erdgeschosse und das verglaste Foyer der Arena schaffen Belebung über Sportveranstaltungen hinaus. Die Kombination aus Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Mobilität soll zur Entwicklung eines vielfältigen Quartierzentrums beitragen.

Diese Zusammenfassung wurde von GPT erstellt. Sie kann möglicherweise Fehler enthalten. Geprüfte Informationen entnehmen Sie bitte dem Artikel.

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