Klein, aber fein. Ein Blick auf die Geschichte des genossenschaftlichen Wohnungsbaus in der Schweiz
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«Healing Architecture» nennt sich das Innenausbaukonzept, das den Menschen konsequent ins Zentrum rückt und eine Atmosphäre schafft, die den Genesungsprozess unterstützt. Seit gut drei Jahren ist die Integral design-build AG in diesem Bereich tätig und damit ein einfühlsamer sowie kompetenter Partner für die Planung von Praxen und Kliniken.
Der Grundriss ist klar strukturiert, das Ambiente hell und schlicht gestaltet. Die Betondecken bleiben unverputzt, und doch fühlt man sich sofort wohl und gut aufgehoben. Die weiss lackierte Empfangstheke im Eingangsbereich wurde auf Mass gefertigt und ist auch dank einer Leuchtschiene über dem Boden ein Blickfang. Schräg vis-à-vis wartet eine Frau auf ihren Termin. Die Eichenbank mit beigen Polstern, auf der sie Platz genommen hat, findet sich vor jedem Behandlungszimmer in der Praxis Curana im Franklinturm in Zürich Oerlikon. «Wir haben das gesamte dreizehnte Obergeschoss für Dr. Michael Messerli und Dr. Moritz Schwyzer ausgebaut», sagt Felix Keller von Integral designbuild. Er leitet den Bereich «Healing Architecture» – ein zukunftsweisendes Konzept für Health-Care-Einrichtungen, das den Menschen mit seinen Bedürfnissen ins Zentrum stellt und davon ausgeht, dass sich die Umgebung positiv auf den Genesungsprozess auswirkt.
Das Gründerduo von Curana denkt unternehmerisch und fortschrittlich. Darum setzte es für seine Vision auf die Expertise von Felix Keller. «Es ist eine Herausforderung, medizinische Funktionalität mit Wärme und Ästhetik zu verbinden. Hinzu kommen die strengen Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit», erklärt er. Eine Arztpraxis gilt als öffentlich zugängliches Gebäude, daher greift das Behindertengleichstellungsgesetz. Das erfordert unter anderem einen hindernisfreien Zugang, Rollstuhlgängigkeit und IV-Toiletten.
Die beiden Ärzte waren nahezu täglich auf der Baustelle und begleiteten den Baufortschritt voller Interesse. «Es handelte sich um unser erstes Ausbauprojekt, und wir hatten grossen Respekt davor», erzählt Michael Messerli. Anhand eines Moodboards entschied man sich für helle Farbtöne, natürliches Holz und das Spiel mit dem Licht. Um einen modernen Look zu kreieren, wurde die Haustechnik teilweise direkt auf dem Sichtbeton installiert. Die Patientinnen und Patienten schätzen die stilvolle Atmosphäre. Michael Messerli mag einen Raum besonders: den Operationssaal. «Trotz den spezifischen Anforderungen wie zwei separaten Eingängen, einem ableitfähigen Boden mit eingelassenen Kupferbändern und einer liegenden Entfluchtung wirkt das Ambiente einladend. Ich praktiziere hier besonders gern.»
Bei Health-Care-Projekten muss man auf offenporige Oberflächen wie Vorhänge in Untersuchungszimmern ebenso verzichten wie auf Pflanzen oder Teppiche. Die Böden sollen glatt und desinfizierbar sein, was viele Beläge und Verlegearten ausschliesst. Im Trend liegen dezente Töne mit wenigen, behaglichen Akzentfarben wie Mauve, Taupe, Aubergine. «Wir legen Wert auf die Ehrlichkeit eines Materials und verwenden zum Beispiel keinen Kunststoffboden, der vorgibt, ein Parkett zu sein. Lieber setzen wir Linoleum ein, das danach aussieht, riecht und die entsprechende Haptik hat. Ich bin überzeugt, dass Authentizität und Natürlichkeit besser auf den Menschen wirken als visuelle Täuschung», sagt Felix Keller. Der Industriedesigner und Innenarchitekt beschäftigt sich seit über zehn Jahren intensiv mit Healing Architecture. Dieses Ausbaukonzept sei deshalb so faszinierend, weil es nicht nur um das Design und die Funktion geht, sondern auch darum, das seelische und körperliche Wohlbefinden eines Menschen zu stärken. Zudem müssen die Ansprüche von drei Zielgruppen – Ärzten, Mitarbeitenden, Patientinnen und Patienten – befriedigt werden.
Der Ursprung der Healing Architecture liegt rund vierzig Jahre zurück und beruht auf einer im Wissenschaftsmagazin «Science» veröffentlichten Studie, mit der der Architekturprofessor Roger Ulrich nachwies, dass Patienten nach einer Operation in einem Zimmer mit Aussicht ins Grüne schneller wieder gesund wurden als Patienten mit Aussicht auf ein gegenüberliegendes kaltes Gebäude. Damit war ein neues Forschungsfeld eröffnet, das seitdem mit zahlreichen Publikationen auf sich aufmerksam macht. Heute weiss man, dass Faktoren wie Licht, Akustik, Farben, Naturbezug und Luftqualität nicht nur auf Patientinnen und Patienten eine gesundheitsfördernde Wirkung haben, sondern auch das Arbeitsumfeld von Ärzten und Personal stärken. «Ich lese viele Studien und schaue mir internationale Vorträge an», bestätigt Felix Keller. Im letzten Jahr setzten er und sein Team etwa zwölf Projekte um – Tendenz steigend. Ärzte seien eine Community, die sich untereinander austausche. Das erweise sich als wertvoll. Eine weitere Besonderheit: In der Regel werden die Investitionen in Praxen und Kliniken über Jahrzehnte abgeschrieben. Darum dauert die Entscheidungsfindung länger und verläuft iterativ.
Die Allgemeinmedizinerin Nancy Kassem hat mit der Hilfe von Integral design-build gerade eine Hausarztpraxis in Winterthur gestaltet, die ihre Arbeitsweise widerspiegeln soll: Vertrauen aufbauen, Stress reduzieren. «Patientinnen und Patienten dürfen nicht das Gefühl haben, krank zu sein», sagt sie. Natürlich müssten effiziente Abläufe, eine einfache Orientierung und das Einhalten von Hygieneanforderungen gewährleistet sein, doch niemand will eine klinische Atmosphäre. «Mir gefällt die klare Gliederung der Praxisbereiche. Die Materialwahl, die ruhige Farbgebung, die Referenzen an die Natur und die gezielte Lichtführung tragen wesentlich zu einer entspannten Stimmung bei. Alles wirkt harmonisch und persönlich – genau das habe ich mir gewünscht», fügt die Ärztin an.
Die Kinderarztpraxis Manegg in Zürich Süd wurde ebenfalls von Felix Keller geplant. Die erste Herausforderung ergab sich für ihn bereits beim Entrée und der Frage, wo die Kinderwagen Platz finden sollten. Die Lösung lag in einem Abstellbereich gleich vor dem Hauseingang. Michèle Bachmann, Pflegefachfrau HF Pädiatrie und Praxisleiterin, freute sich nach achtzehn Jahren an ihrem früheren Arbeitsplatz auf ein zeitgemässes Umfeld mit individuellem Ambiente. Besonders gut gefällt ihr die Umsetzung mit einer Kombination von unterschiedlichen Materialien wie Eichenholz, farbigem Linoleum, Weissputz und Sichtbeton. Zudem haben es ihr die kreisrunden Hängeleuchten angetan. Der Innenarchitekt war vor allem darauf bedacht, die Bedürfnisse der jungen Patienten – vom Neugeborenen bis zum Jugendlichen – zu berücksichtigen. Dafür wurden zwei verschiedene Wartebereiche geplant: einer mit Schubladen voller Kinderspielzeug und ein anderer mit gemütlicher Lounge und Ladestationen.
Felix Keller ist schon wieder auf dem Weg zum Franklinturm. Seit der Fertigstellung des ersten Praxisstockwerks geht er dort ein und aus. Im Herbst 2026 soll das dritte Projekt an den Kunden übergeben werden.
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