«Wir wollen Synergien sichtbar machen»

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Mit dem Einzug des House of Interiors in die unteren zwei Geschosse des Projekts B2Binz erwachte die Immobilie zum Leben – und das Quartier erhielt einen Ort, an dem Gemeinschaft, Offenheit und Wissensvermittlung gelebt und gefördert werden. Wir trafen die Initiantin und Innenarchitektin Iria Degen zum Gespräch.

Iria Degen leitet ein Interior-Design-Studio mit vierzehn Mitarbeitenden.
Text: Anita Simeon Lutz
Fotos: House of Interiors
19. Ausgabe / 2026

Iria Degen ist wohl eine der bekanntesten und bedeutendsten Innenarchitektinnen der Schweiz. Zusammen mit ihrem Team von vierzehn Mitarbeitenden verantwortet sie unter anderem die Innenraumgestaltung des Thermal-Spas Fortyseven in Baden, die Umgestaltung des Hotels Märthof in Basel oder die Rückführung des Marriott-Hotels Alfa in Luxemburg in ein elegantes Art-déco-Haus mit zeitgemässen Akzenten. Ausserdem tragen zahlreiche private Interiors ihre unverkennbare, zurückhaltende und in Sachen Materialeinsatz und Detailverliebtheit sehr hochwertige und einzigartige Handschrift.

2025 rief sie zusammen mit ihrem Partner Alessandro Carroccia, Gründungsmitglied und CEO der Immobilienfinanzierungsgesellschaft Hyrock, das House of Interiors (HOI) ins Leben. Das HOI bietet eine Plattform für innovatives Design, produzierendes Handwerk und bauplanerisches Gewerbe. Durch den Einzug des HOI in die unteren zwei Geschosse des Neubauprojekts B2Binz erwachte die Immobilie zum Leben. KOMPLEX traf Iria Degen auf der «Piazza» im ersten Geschoss des HOI zum Gespräch.

KOMPLEX: Wie und wann sind Sie zum Projekt B2Binz gestossen?

Iria Degen: An der alten Adresse in Zürich Höngg platzte unser Planungsbüro aus allen Nähten, und es war klar, dass ich mich früher oder später nach neuen Räumlichkeiten umsehen musste. Alessandro kannte das Projekt B2Binz bereits von Anfang an, und im November 2023 bin ich zum ersten Mal im Edelrohbau durch diese Räume geschritten. Die Offenheit der Architektur, in der noch viele Möglichkeiten steckten, hat mich vollends überzeugt. Es war für mich ein Glücksfall, dass ich mein Büro ganz nach meinen Wünschen gestalten durfte. Aber eigentlich hatte ich nur nach einer Bürofläche mit rund 400 Quadratmetern gesucht; nun hatten wir plötzlich eine Spielwiese von 3400 Quadratmetern zur Verfügung. Oft ist es so, dass, wenn man etwas sucht und dabei offen bleibt, sich auf einmal Möglichkeiten ergeben, die Chancen beinhalten und einen persönlich wie geschäftlich voranbringen.

K: Wie kam es dann zum House of Interiors?

ID: Die Vision des House of Interiors ist eigentlich aufgrund der Auflagen entstanden, die bei diesem Projekt galten. Laut Zonenvorschriften muss mindestens ein Drittel des Gebäudes dem produzierenden Gewerbe zur Verfügung stehen. Je mehr wir davon in den unteren beiden Geschossen einlösen, desto eher stimmt der Mix über das ganze Haus. Wir wollten also Handwerksbetrieben, die bereits jahrelang mit uns zusammenarbeiten, aber auch neuen Unternehmen, die wir noch nicht so gut kannten, eine Plattform bieten. So ist die Idee des House of Interiors entstanden.

Das House of Interiors bringt verschiedene Handwerksbetriebe zusammen und macht den Herstellungs- und Designprozess eines Projekts hautnah erleb- und erfahrbar. Dadurch entstehen Synergien.
Die zentrale Wendeltreppe verbindet das untere mit dem oberen Geschoss im House of Interiors. Sie ist der grösste Eingriff in die bereits vorhandene Substanz des Edelrohbaus.
Die unterschiedlichen Ateliers werden durch allgemein zugängliche Community-Infrastrukturen wie Vortrags- und Ausstellungsräume sowie Flächen für Workshops und Gemeinschaftsanlässe ergänzt.

K: Für Sie waren die Auflagen der Zonenordnung also nicht einengend?

ID: Nein, ganz im Gegenteil. Für uns war es eine Chance, unseren Kunden zu zeigen, was für Know-how, handwerkliches Können und Designinnovation hinter einer kompletten Einrichtung, einem Interior-Design, stecken. Wir als Innenarchitektinnen und -architekten verantworten die Gestaltung und orchestrieren die Planung, aber unsere Ideen kommen erst dann richtig zum Fliegen, wenn alle Komponenten ineinandergreifen. Wenn das Team oder Teile davon hier vor Ort sind, wird die Koordination und das Miteinander viel einfacher. Wir wollen im House of Interiors Arbeitsschritte, die tagtäglich stattfinden, an einem Ort vereinen und Synergien sichtbar machen. Das ist auch spannend für unsere Kunden. So sehen sie, wie ihr Projekt entsteht. Viele von ihnen haben gar nicht mehr den Bezug zum handwerklichen Herstellungsprozess. Sie bestellen Waren meist aufgrund eines Bildes per Knopfdruck im Internet, ohne sie haptisch oder in der räumlichen Wirkung erlebt zu haben. Das Teilnehmen am Prozess lässt eine andere Bindung zum Produkt entstehen. Das Endergebnis wird dann auch viel mehr geschätzt, weil man gesehen hat, wie viel Arbeit dahintersteckt. Ausserdem ist bei handwerklichen Prozessen ein hoher Grad an Individualisierung möglich, und massgeschneiderte Lösungen sind heute gefragter denn je.

K: Wie gut war die Architektur, die Sie vorgefunden haben, für die Realisierung Ihrer Vision geeignet?

ID: Die offene Struktur mit zwei Erschliessungskernen liess eigentlich alle Möglichkeiten der Nutzung zu. Wir haben uns beim Innenarchitekturprojekt an das Wesen und den Raster der Architektur gehalten. Die Abtrennung der einzelnen Räume erfolgte mit Glaswänden, die eine grösstmögliche Transparenz gewährleisten. Geschlossene Wände und blickdichte Vorhänge sind nur quer zur Fassade erwünscht.

Im Erdgeschoss entsteht so eine offene Produktionsstätte, die spannende Einblicke in verschiedene Handwerksbetriebe ermöglicht. Hier haben sich ein Textil- und ein Keramikatelier, die Blumenhalle, ein Schreiner, ein Leuchtenhersteller und das Prototypenatelier einer produzierenden Firma für Akustikpaneele angesiedelt. Ausserdem gibt es flexibel nutzbare Räume für Ausstellungen, Diskussionen, Workshops und so weiter.

Auch in der oberen Etage wird die offene Kommunikation gepflegt. Ob Teppichhersteller, Fassadenmaterialvertrieb, Modeatelier, Büromöbelhersteller oder andere Dienstleistungs- und Planungsunternehmen – die Kultur des Austauschs und der gegenseitigen Neugierde ist überall präsent. Um dies noch zu untermauern, haben wir im Zentrum des ersten Geschosses die sogenannte Piazza eingerichtet, wo man sich bei einem Kaffee oder beim Mittagessen trifft und austauschen kann.

Damit die zwei Ebenen des House of Interiors noch enger zusammenwachsen, wurde nachträglich eine grosszügige Wendeltreppe eingebaut, was unser wichtigster Eingriff in die bestehende Substanz war. Ansonsten baut unsere Innenarchitektur genau auf die vorgegebene Struktur auf. Dafür haben wir bei Stücheli Architekten sogar noch das ursprüngliche Moodboard ausgeliehen und unsere Material- und Farbauswahl auf dieser Basis vorgenommen. Das Salbeigrün der Fassade gefiel uns besonders gut und wurde im Innenraum von nichts Konkurrierendem übertönt.

Dank maximal faltbaren Schiebefenstern im Erdgeschoss öffnen sich die Produktions- und Atelierflächen auch für Aussenstehende. Das House of Interiors soll so für alle nahbar und zugänglich sein.
«Viele unserer Kunden haben den direkten Bezug zum Herstellungsprozess und zum Handwerk verloren», meint Iria Degen. Das House of Interiors will dieses Manko mit Workshops, Weiterbildungsformaten, offenen Türen und einem regen gegenseitigen Austausch wettmachen.

K: Sie haben den Innenausbau zusammen mit der Halter AG realisiert. Warum?

ID: Wir wollten nicht bei null anfangen, und da Halter bereits das Bauprojekt ausgeführt hatte, war es für uns logisch, auch den Innenausbau mit ihnen zu realisieren. Da sie das Gebäude gut kannten, konnten sie uns die Machbarkeit der einzelnen Eingriffe, wie zum Beispiel die Kernbohrung für den Einbau der Wendeltreppe im Piazza-Bereich, frühzeitig garantieren. Das war schon ein Vorteil.

K: Es kommt wahrscheinlich eher selten vor, dass Sie Innenarchitekturprojekte mit einem Totalunternehmer realisieren. Was waren die besonderen Herausforderungen?

ID: Für uns ist es tatsächlich unüblich, mit einem Totalunternehmer ein Innenarchitekturprojekt zu bearbeiten. Dies erfordert viel Verständnis von beiden Seiten. Die grösste Herausforderung war die phasengerechte und stufenweise Detaillierung. Halter wollte bereits am Anfang des Projekts alle Details kennen, bis zur Auswahl der einzelnen Schrauben. So arbeiten wir aber in der Regel nicht. Wir denken vom Grossen ins Kleine und definieren ein Projekt Schritt für Schritt. Doch natürlich haben wir auch verstanden, dass die Verantwortlichen bei Halter für die Kosten- und Termingarantien davon abhängig sind, sehr früh möglichst viel zu wissen.

Anspruchsvoll war auch, dass wir bei der Vergabe der Arbeiten in erster Linie unsere eigenen Community-Mitglieder berücksichtigen wollten. Wir möchten, dass das House of Interiors seine ansässigen Unternehmen nicht nur im Austausch zusammenbringt, sondern auch in gemeinsamen Projekten. Diese Komplexität und das Konzept des Living Showrooms waren sicher erschwerende Elemente in der Zusammenarbeit mit einem Totalunternehmer.

K: Welche Vorteile konnte Halter trotzdem in den Prozess einbringen?

ID: Ein Pluspunkt jedes TU-Projekts ist sicher, dass ein einziger Ansprechpartner alles im Griff hat und Rechenschaft gegenüber der Bauherrschaft ablegen muss. Totalunternehmer haben auch sehr viel Erfahrung in der Ausführung, da sie schon viele ähnliche Projekte realisiert und bereits unterschiedlichste Problemsituationen gelöst haben. Ausserdem ist das System weniger anfällig, wenn mal eine Person ausfällt. Solche Firmen sind gross, und es kann schnell Ersatz gefunden werden.

Im Premium-Bereich der Innenarchitektur ist die Zusammenarbeit mit einem TU jedoch eine besondere Herausforderung, weil der Individualisierungsgrad aller unserer Projekte sehr hoch ist. Bei uns entspricht nichts dem Standard. Die Gefahr besteht darin, die Flexibilität zu verlieren, die wir besonders bei privaten Bauherrschaften pflegen. Wir haben uns in diesem Projekt immer konstruktiv aneinander gerieben. Manchmal bedurfte es einer Extrarunde, aber schliesslich hat es sich gelohnt, und das Resultat ist dadurch nur noch besser geworden. Es war ein wertschätzendes Teamwork.
iriadegen.com

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Zusammenfassung

  • Das House of Interiors vereint Handwerk, Design und Planung unter einem Dach: Initiiert von Iria Degen und Alessandro Carroccia, schafft die Plattform im Projekt B2Binz einen Ort für Austausch, Zusammenarbeit und Wissensvermittlung zwischen verschiedenen Gewerken der Bau- und Einrichtungsbranche.
  • Synergien entstehen durch räumliche Nähe und Transparenz: Offene Atelier- und Produktionsflächen, gemeinschaftlich genutzte Bereiche sowie die sichtbare Einbindung handwerklicher Prozesse ermöglichen neue Formen der Zusammenarbeit und machen Entstehungsprozesse für Kundinnen und Kunden erlebbar.
  • Die Realisierung mit einem Totalunternehmer brachte Chancen und Herausforderungen: Während Halter mit Ausführungskompetenz, Planungssicherheit und einem zentralen Ansprechpartner überzeugte, erforderte die hohe Individualisierung des Projekts intensive Abstimmung. Das Resultat wird von Iria Degen dennoch als gelungenes und wertschätzendes Teamwork bewertet.

Diese Zusammenfassung wurde von GPT erstellt. Sie kann möglicherweise Fehler enthalten. Geprüfte Informationen entnehmen Sie bitte dem Artikel.

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